Von Alzheimer und Neurobiologie

Biologen untersuchen was wirklich in unserem Gehirn vor sich geht

Neurobiologie

Anna-Lena Hillje hat gerade ihren Master an der Universität Oldenburg absolviert. Ihr Spezialbereich ist Neurobiologie und Molekulare Zellbiologie, der Bereich in dem sie schon immer arbeiten wollte. „Ich habe mich relativ früh auf Neurobiologie spezialisiert und interessiere mich besonders für neurodegenerative Erkrankungen. Sowohl meine Bachelor- als auch meine Masterarbeit waren thematisch in diesem Bereich angesiedelt.“

Dass Anna einmal Biologie studieren würde war früh klar. „Biologie hat mich bereits in der Schule fasziniert und nach dem Leistungskurs Biologie blieb die Neugier an biologischen Fragestellungen. Auch heute noch faszinieren mich biologische Vorgänge.“ Viele Neurowissenschaftler haben sie während ihrer Laufbahn beeindruckt und geprägt. „Beeindruckt bin ich zum Beispiel von Ramón y Cajal, der bereits Ende des 19. Jahrhunderts die Feinstruktur des Zentralen Nervensystems beschrieb und zahlreiche Vermutungen über die Weiterleitung von neuronalen Signalen anstellte, die sich im Nachhinein als ganz richtig herausstellten. Viele frühe Wissenschaftler beeindrucken mich, die ohne spezielle Technik und Methodik, die wir heute als ganz selbstverständlich verwenden, großartige Thesen aufstellten. Dazu zählt auch Alois Alzheimer, der als einer der ersten die berühmte Demenzerkrankung beschrieb und damals von seinen Kollegen kaum Beachtung fand.“

Anna hat ihren Bachelor an der Universität Osnabrück im Fach „Biologie der Zellen“ absolviert. Doch die Entscheidung nach Osnabrück zu gehen war nicht willkürlich, da im Jahr 2003, als Anna zu studieren begann, noch nicht viele Universitäten den Bachelorabschluss für Biologie anboten. Zudem überzeugte sie, dass die Universität bereits zwischen dem Bachelor der Zellen und dem Bachelor der Organismen unterschied. Für ihren Master studierte Anna nun an der Universität Oldenburg, gerade weil sie hier weitere Spezialisierungsmöglichkeiten im Bereich Neurobiologie und Molekulare Zellbiologie fand.

Obwohl das Studium zu Beginn nicht ganz Annas Vorstellungen entsprach, änderte sich das mit der Zeit. „Im Grundstudium gab es unerwartet viele Veranstaltungen in nicht-biologischen Fächern, wie Physik, Mathe und Chemie. Je mehr Spezialisierungsmöglichkeiten sich boten, desto mehr entsprach das Studium auch meinen Vorstellungen. Leider gab es jedoch wenig Zeit für außeruniversitäre Praktika oder Möglichkeiten, Projekte außerhalb der Universität zu verwirklichen“.

Obwohl nur wenig Zeit für außeruniversitäre Projekte und Praktika blieben, nahm Anna die Chance war, während eines Auslandssemesters an einer finnischen Universität zu studieren. „Das war eine sehr positive Erfahrung und eine gute Möglichkeit neben fremden Kulturen auch Studiensysteme anderer Länder kennen zu lernen.“

„Ich denke gerade nach der Umstellung auf das Bachelor- und Mastersystem ist eine frühe Spezialisierung wichtig"

Auch zukünftigen Biologiestudenten rät Anna durch zusätzliche Erfahrungen, Ausalandssemester, Kentnisse und Praktika auf dem Arbeitsmarkt zu punkten. „Ich denke gerade nach der Umstellung auf das Bachelor- und Mastersystem ist eine frühe Spezialisierung wichtig. Ich habe gemerkt, dass viele Bereiche nur noch angerissen, kaum aber noch vertieft werden. Ich denke, dass nicht ein weit gefächertes Wissen, sondern eher tieferes spezialisiertes Wissen von Vorteil ist. Ratsam ist es auch sich bereits früh einer Arbeitsgruppe anzuschließen. In Arbeitsgruppenseminaren kann man mehr über die aktuelle Forschung und Methodik der einzelnen Gruppen erfahren. Häufig ergeben sich auch Möglichkeiten als Hiwi (kurz für Hilfswissenschaftler) angestellt zu werden. So kann bereits früh ein Kontakt zu Professoren und Arbeitsgruppen hergestellt werden.“

Anna sieht die Zukunft für Neurobiologen in der Forschung positiv, obwohl Biologen auch in anderen Bereichen durchaus eingesetzt werden können. „Für promovierte Biologen in meinem Bereich stehen die Berufschancen in der Forschung im Moment relativ gut. Außerhalb der Forschung ist es jedoch nicht so einfach etwas zu finden. Ich kenne einige Biologen, die gar nicht mehr im Bereich der Biologie tätig sind, sondern zum Beispiel Anstellungen in Unternehmensberatungen gefunden haben. In solchen Bereichen ist häufig das analytische Denken der Naturwissenschafter gefragt.“

Als nächstes möchte Anna-Lena promovieren - vielleicht in einem ähnlichen Bereich. Anschließend muss sich Anna entscheiden ob sie als Postdoc weiterhin die standardisierte Laufbahn in der Forschungslandschaft verfolgt oder einen anderen Weg einschlägt. „Ich kann mir eventuell vorstellen, nicht für immer in der Forschung zu arbeiten. Später könnte ich mir eine Tätigkeit in der Lehre, einem naturwissenschaftlichen oder Schulbuchverlag oder aber auch im Museumspädagogischen Bereich gut vorstellen. Ich glaube, dass es mir Spass machen würde, mir Konzepte zur interaktiven Vermittlung von biologischen Phänomänen zu überlegen.“


  Biologen.eu | Impressum | Sitemap | Berühmte Biologen |