Biologen in der Politik – Arbeiten für die Regierung
Tanja Schuster (Name geändert) hat einen aufregenden Job. Sie arbeitet an der Schnittstelle von Politik und Wissenschaft in einer staatlichen Naturschutzbehörde. Dort beschäftigt sie sich insbesondere mit internationalen Aspekten des Naturschutzes.
Wer denkt, dass Biologen entweder nur im Labor oder im Freiland arbeiten, hat sich kräftig geirrt. Tanja Schuster arbeitet als wissenschaftliche Referentin für die Regierung. Dort beschäftigt sie sich mit internationalem Naturschutz, der auch Aspekte der Entwicklungszusammenarbeit beinhaltet, pflegt internationale Kontakte mit anderen Regierungen und den Austausch mit anderen Kulturen.
Es klingt aufregend, und das ist es auch. „Klar, wollte ich da schon immer arbeiten“, sagt sie. Doch trotz Tanjas Begeisterung für ihren Beruf verschweigt sie nicht, dass die Regierungsarbeit auch negative Aspekte mit sich bringt. „Mir fehlt manchmal der stärkere Bezug zur Wissenschaft und die Zeit um Primärquellen nachzulesen. Stärkere bürokratische Prozesse fördern nicht immer die Eigeninitiative...“
Schon als Kind wusste sie, dass sie einmal Biologin werden wollte: „Hauptgründe waren meine Tier- und Naturverbundenheit sowie mein Interesse für Verhaltensforschung und Reiselust.“ Besonders begeisterten sie die Dokumentationen von Professor Bernhard Grzimek und die Geschichten von der Primatologin Jane van Lawick Godall für Verhaltensvorschung und für den afrikanischen Kontinent. Später dienten für sie die Evolutionsbiologen Jared Diamond und Edward Osborne Wilson, die „mit ihren grundsätzlichen Gedanken zur Evolution und Ethik immer wieder neue Gedankenstöße gegeben“ haben, als Vorbild.
Tanja sudierte Biologie in Köln und Spanien. In Spanien wollte sie neue Ökosysteme, andere Mentalitäten und Arbeitsweisen kennen lernen und außerdem ihr Spanisch aufbessern. „Lieber wäre mir Lateinamerika gewesen, aber das war bürokratisch zu aufwendig.“ Nach dem Studium promovierte Tanja und erforschte Zugvögel auf einer Vogelwarte in Wilhelmshaven. Obwohl Tanja mit ihrem Studium eigentlich ganz zufrieden ist, war nicht alles so, wie sie es sich gewünscht hätte. „Ich hätte mir mehr Feldarbeit gewünscht. Köln war damals schon sehr auf Biochemie und Genetik ausgerichtet, was mich in der Theorie immer sehr interessiert hat, aber nicht in der praktischen Laborarbeit.“
"Ich hätte mir mehr Feldarbeit gewünscht..."
Tanja hat ihre Diplomarbeit in Salamanca zu einer dort vorkommenden Vogelart geschrieben und war außerdem während ihrer Promotion bei einem Kollegen an der Elfenbeinküste in Afrika um dort Zugvögel zu beobachten. „Auslandsaufenthalte sind immer ratsam, wenn man daran Spaß hat, und Sprachen sind grundsätzlich eine prima Lebensgrundlage. Meine Erfahrungen waren durchweg hervorragend, allerdings braucht man Zeit und Geduld mit sich selbst und den anderen Nationalitäten und ihren Eigenheiten. Das gilt insbesondere fürs Organisatorische und Arbeitstechnische.“
Außerdem rät Tanja, möglichst viele praktische Arbeitserfahrungen zu sammeln. „Man sollte möglichst vielschichtige Praktika und breit gefächerte Erfahrungen machen, denn die dienen dem Lebenslauf und der eigenen Orientierung.“
Doch Tanja weiß, dass es Biologen auf dem Arbeitsmarkt oft nicht einfach haben. „Ich habe immer auf Zeitarbeitsstellen gesessen und sehe für die Zukunft da keinerlei Verbesserungschancen. Es wird immer eine Flexibilität verlangt (räumlich, zeitlich, finanziell), der man als Biologe wahrscheinlich stärker ausgesetzt ist, als in anderen Berufen. Wenn man flexibel ist, hat man Chancen, aber Absicherungen kann man kaum erwarten.“
Dennoch bereut Tanja ihre Entscheidung, Biologin zu werden, nicht. „Man sollte immer manchen, was man am liebsten möchte, denn sich strategisch auszurichten kann immer ins Auge gehen und großen Frust hervorrufen.“
