Der Arbeitsalltag von Biologielehrern

Ein Lehrer trägt tagtäglich eine hohe Verantwortung seinen Schülern gegenüber und muss vor allem in der Lage sein, selbstorganisiert und eigenständig zu arbeiten. Viele Lehrer fühlen sich als „Einzelkämpfer“. Eine weitere, unabdingbare Fähigkeit, über die ein Lehrer verfügen sollte, ist die konstante Bereitschaft, sein unterrichtliches Handeln stets kritisch zu evaluieren und zu reflektieren. Da die Qualität des Unterrichts im Anschluss an das Referendariat nur noch recht selten im Rahmen von Hospitationen intern oder auch extern evaluiert wird, muss die Lehrperson eine eigene "Qualitätskontrolle" ihres Unterrichts durchführen.

Die Rolle der Lehrperson in der Klasse hat sich in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Während der Lehrer früher die Rolle des Wissensvermittlers innehatte und im Zentrum des Unterrichts stand, werden heute Forderungen nach selbstgesteuertem Lernen, Lernerorientierung, Lebensweltbezug und Binnendifferenzierung in die Praxis umgesetzt. Damit wandelt sich auch die Lehrerrolle. Die Lehrperson fungiert nunmehr als Bereitsteller von Lerngelegenheiten und -impulsen und unterstützt den Lernprozess der Schüler, die er individuell fördert und fordert. Diese veränderte Lehrerrolle hat Auswirkungen auf das Arbeitspensum: Die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts wird immer aufwändiger und zeitintensiver.

Nicht zu vernachlässigen ist die Tatsache, dass das Tagesgeschäft „Unterricht“ nur einen Teil der Aufgaben ausmacht, die die Lehrperson zu erfüllen hat. Neben der Vor- und Nachbereitung von Unterricht, der Konzeption und Korrektur von Leistungsüberprüfungen, dem Erstellen von Gutachten etc. müssen Lehrer zahlreiche organisatorischen Aufgaben übernehmen. Zu diesen zählen beispielsweise Absprachen mit (Fach-)Kollegen, die Organisation von Projekten, Schüleraustauschen, Klassenfahrten etc., die Teilnahme an Fortbildungen, Elternabenden bzw. Elternsprechtagen und Fachkonferenzen, das Durchführen von Pausenaufsichten und vieles mehr. Zur neuen Rolle des Lehrers zählt auch die Teilhabe an der Schulentwicklung, beispielsweise durch die Arbeit in Fachgruppen. Zudem muss sich der Biologielehrer als Fachmann in fachdidaktischer und pädagogischer Hinsicht immer auf dem neuesten Stand halten. Die durchschnittliche Arbeitsbelastung von Lehrern wird auf zwischen 42 bis 46 Arbeitsstunden pro Woche geschätzt. Abhängig ist die Arbeitszeit natürlich vom jeweiligen Stundendeputat, das von den Bundesländern geregelt wird, und von dem Vorbereitungsaufwand, der sich bei verschiedenen Fächern deutlich unterscheidet. Während die Fremdsprachen als sehr arbeitsintensiv gelten, fällt in den Naturwissenschaften ein wesentlich geringerer Korrekturaufwand an. Das Klischee vom Halbtagsjobber gilt allerdings angesichts solcher Tatsachen als überholt.

Der Eintritt in den Ruhestand erfolgt in der Regel in dem Schuljahr, in dem der Lehrer seinen 65. Geburtstag feiert. Voraussichtlich wird das Rentenalter jedoch auf 67 Jahre angehoben. Mehr als die Hälfte der Lehrer lassen sich jedoch aufgrund von Dienstunfähigkeit zwischen dem 40. und dem 60. Lebensjahr pensionieren. In diesem Zusammenhang wird oft das Burnout-Syndrom angeführt, das vor allem in sozialen Berufen auftritt. Lehrer haben ein vergleichweise sehr hohes Risiko, an Burnout zu erkranken. Rund 60% der deutschen Lehrer gehören zur Burnout-Risikogruppe, während unter den Existenzgründern 44% und unter den Polizisten etwa 35% in diese Gruppe fallen. Neben Berufsanfängern sind auch erfahrene Lehrer, die trotz hohen persönlichen Engagements wenig Erfolge erzielen, besonders häufig von Burnout betroffen. Obwohl für das Burnout-Syndrom kein fester Diagnoseschlüssel existiert, sollte die Krankheit nicht mit einer Überarbeitung verwechselt werden. Hinter dem Begriff „Burnout“ steht eine ernstzunehmende Krankheit, die sich durch eine innere Ausgebranntheit und eine reduzierte Leistungsfähigkeit in Folge einer übermäßigen Anstrengung auszeichnet.

Die Entscheidung für den Lehrerberuf sollten sich Biologen gut überlegen. Vor allem sollten Interessenten Spaß an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen haben. Zu den Vorteilen des Lehrerberufs zählen zum Einen die relative Freiheit, die Lehrer trotz Vorgaben durch Bildungsstandards, Kerncurricula und Zentralabiturvorgaben bei der Unterrichtsgestaltung haben, und zum Anderen der Abwechslungsreichtum der unterrichtlichen Interaktion mit immer wieder unterschiedlichen, heterogenen Lerngruppen.


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